Die Tocht 2018

Die „Tocht“ heißt eigentlich Fietselfstedentocht, also Fahrrad-Elf-Städte-Tour und führt in der niederländischen Provinz Friesland als Radtouristiktour durch alle elf friesischen Städte. Ich bin auch 2018 – jetzt zum dritten Male – die Tocht gefahren. Es war, wie auch in den letzten beiden Jahren, ein ganz tolles Erlebnis, mit 15.000 (!) Radlern einen Tag im diesmal sehr sonnigen und immer sehr schönen Friesland im Sattel zu verbringen.

Kurz zum Ablauf: 15.000 Teilnehmer starten im Abstand von 8 Minuten in Gruppen zu je 650 Radlern. Man fährt 15 Stempelstellen an und wenn man alle Stempel zusammen getragen hat und wieder am Ausgangsort in Bolsward ankommt, ist man „geslaagd“ – man hat es geschafft. Unter Jubelrufen erfolgt der Zieleinlauf. Ganz Friesland ist auf den Beinen. In den Orten, Dörfern, Bauernhöfen stehen Leute und verbreiten gute Stimmung. Kinder möchten die „Five“ bekommen, also die Hände abgeklatscht bekommen. Nachbarschaften tun sich zusammen und holen Sofas, Tische, Grill und wer weiß was raus, haben einen tollen Tag. Banner, aufgehängt von Freunden, Familie oder Nachbarn, weisen darauf hin, das „Piet“ die Tour zum 31. Mal fährt oder „Papa“ zum 12. Mal. Ein Mädchen – oder eine Frau? – wurde daran erinnert, dass auch schon Mama und Oma die Tocht gefahren sind. Es gibt La-Ola-Wellen, wenn man durch die Orte fährt, egal ob von Jung oder Alt.

An der ersten Stempelstelle warten wir brav in der langen Schlange, da kippt eine Radlerin neben mir ins Gras. Sie konnte die Schuhe nicht von den Klick-Pedalen lösen. Mein Rad zwischen den Beinen löse ich erst den einen Schuh vom Pedal, dann hebe ich das Rad an und befreie auch den zweiten Schuh. Meine Frage, ob es ihr gut ginge, beantworten sie mit einem dankbaren Lächeln und einem „dat was heel aardig van jouw“ (das war sehr nett von dir). Erst jetzt sehe ich, dass das Gesicht wettergegerbt und faltig ist. Die junge Dame fuhr bestimmt schon seit 70 Jahren Fahrrad. Respekt, was diese Frau und doch so einige Andere dort leisten. Die ältesten Teilnehmer sind über 80 Jahre alt.

Vielleicht ist es jetzt an der Zeit, darauf hinzuweisen, dass es keine ganz kurze Tour ist, diese Tocht. Die Strecke zaubert einem an einem Tag 235 km mehr auf den Kilometerzähler. Ich hoffe, dass „meine“ Dame die Tour geschafft hat. Verletzt hatte sie sich jedenfalls nicht.

Leider sehen wir ein paar Unfallopfer am Rand. Aber immer sind Leute da, die die Unfallstelle absperren, die Radler abbremsen und umleiten und natürlich Leute, die den Gestürzten helfen. Hoffentlich geht es ihnen allen wieder gut!

Es war warm – bis auf 28° C kletterte die Quecksilbersäule, die ja nur noch selten aus Quecksilber besteht. Das hat man gemerkt, den schon bei rund 150 km war bei vielen die Konzentration stark gesunken. Schlangenlinien auf dem Rad und ein als Fred Feuerstein gekleideter Radler, der geradewegs in eine Hecke fuhr, über den Lenker und die Hecke flog und dahinter verschwand waren Zeugen davon. Fred kroch jedoch schnell wieder hervor und konnte mit ein paar kleinen Schrammen weiterfahren.

Ansonsten geht es meist sehr sittsam zu. Langsamere lassen überholen, schnellere warten ggf. auch mal, bis sie überholen. Ausnahmen gibt es immer – in diesem Jahr ein paar mehr davon.

Die Stimmung ist aber großartig – immer wieder kommt man mit anderen ins Gespräch, ob über das 1959er-Miele-Rad oder den weißen neuen Racer mit „Tattoo-Bildern“ auf den Gabelrohren. Wer ist unterwegs? – Alle und mit allen Rädern. Hochleistungs-Carbon-Räder mit elektronischen Schaltungen, die sicher z. T. auch die 10.000 EUR-Grenze überschritten haben rollen neben uralten „Gazellen“, Tandems – sogar ein Lastenrad mit der Ehefrau vorne im „Bak“ war dabei. Zwei Gehbehinderte habe ich gesehen, die die Strecke mit dem Handrad fahren. Noch einmal einen ganz dicken Respekt vor solch einer Leistung.

Spaß steht im Vordergrund. „Supergirls“ mit Glitzerröcken, ein Tandem-Paar, er mit Hawaii-Hemd und glitzerndem Baströcken, sie im Bikini, dem gleichen Rock und einem Schwimmring um die Hüften, ein Mittdreißiger mit Vollbart, Kleid und „Fräulein-Antje-Perücke“ – es gibt nichts, was es nicht gibt. Die Braut mit dem Schleier am Helm habe ich dabei noch vergessen.

Warum bin ich eigentlich gefahren? – Naja, eigentlich, weil es Spaß macht. Unsagbar viel Spaß. Weil es eine Herausforderung ist. Weil wir eine nette Truppe haben, mit der wir fahren können.

Und weil ich hoffe, damit viele Spenden sammeln zu können für den Kinderschutzbund in Duisburg. Der Kinderschutzbund hält eine Stelle vor, die mit einer Psychologin besetzt ist, die missbrauchten und misshandelten Kindern und Jugendlichen hilft. Die einzige Stelle in Duisburg, die so etwas bietet. Ich würde mir zwar wünschen, dass die Stelle unnütz werden, weil Kinder solche Gewalt nicht erleben müssen – aber das ist wohl Utopie. Und daher bin ich so angetan von der Hilfe, die den Kindern geboten wird. Das ist wichtig und daher fahre ich die Tour als Spendenmarathon.

Zu spät? – Nein, wenn Sie noch spenden möchten, ist es dafür nicht zu spät. Spenden Sie einfach einen x-beliebigen Betrag pro KM (es waren 235) oder einen Pauschalbetrag – was immer Ihnen lieb ist.

Es ist wichtig, und daher lohnt sich jede Spende. Das Spendenkonto des Kinderschutzbundes gebe ich unten an. Eine Spendenquittung gibt es ab 200 EUR-Spenden, Beträge darunter können natürlich vom Finanzamt auch anerkannt werden – dafür reicht dann der Kontoauszug mit der Spende.

Vielen Dank für Ihre Hilfe!

 

Spendenkonto Kinderschutzbund

Volksbank Rhein Ruhr
IBAN: DE84 3506 0386 1256 6300 00
BIC: GENO DED1 VRR

Verwendungszweck: Tocht