Die Magische "2"

Ich packe die letzten Sachen und das Rad und um 9.13 Uhr geht es in Meppen los.

Erst ist der Weg identisch mit dem, auf dem ich gekommen bin. Also erst einmal Richtung Nordhorn, dann durch die Niederlande bis Glanerbrug und bei Gronau/Epe wieder zurück nach Deutschland.

Losser

 

Dann geht es aber in Richtung Stadtlohn und von dort nach Südlohn. Bis hierher habe ich nur zwei kurze Trinkpausen eingelegt. 112 km stehen auf der Uhr. Jetzt tue ich etwas für den Vitamin- und Calciumhaushalt und esse einen Mandarinenbecher beim Eiscafé Split. Außerdem fülle ich die Trinkblase wieder auf - die ersten 1,5 l Wasser sind weg. Es war und ist windig. Zum Teil ist es richtig stürmisch-böig. Immer wieder reißt der Wind am filigranen Fahrwerk der grün-weißen Japanerin. Die aber scheint immer weiter zu rufen: „Mehr! Mehr! Mehr!“ - wie der kleine Häwelmann, der auch nicht genug bekommen konnte. Brav zieht sie ihre Bahnen und trotzdem ich bei den Gegenwindpassagen Probleme habe, die 20 km/h Marke nicht zu unterschreiten, flitzt sie nur so dahin. Die weitaus überwiegende Windrichtung ist von vorn links und das lässt auch bis zum Schluss nicht mehr nach. Oft habe ich Probleme, die 25 km/h Marke zu halten - bei Flauten geht es aber auch deutlich über 30 km/h und einmal sogar bis kurz vor 50. Der Fahrtwind tut gut, denn es wäre sonst recht warm - aber das ist schön und stört mich überhaupt nicht. Ganz im Gegenteil.

Nishiki5

Lange Zeit fahre ich, ohne Orte zu passieren und treffe auf einen Dreiertrupp mit Racern, die gerade einen Reifen tauschen. Kurzes Gespräch, weil man ja zumindest Hilfe anbietet - dann geht es weiter.

Dann kommt Brünen und direkt danach Wesel. Unmittelbar bevor ich einen beschrankten Bahnübergang passieren kann, leuchtet es rot. Es kommt ein RB nach Bocholt. Reichsbahn? Ich dachte, die hießen jetzt anders. Egal.

Ein paar hundert Meter das Gleiche - nur das die Schranken schon unten sind. Dummerweise nur steht dort der Zug ebenso wie die Autos und wie jetzt eben auch ich. Dann aber setzt er sich in Bewegung. DB - also doch Deutsche Bahn und nicht Reichsbahn…

 

Wesel ist schnell genommen, die Brücke über den Rhein voll mit Radlern, die kaum zu passieren sind. Obwohl ich eigentlich noch nicht so lange unterwegs bin, fahre ich in den Sonnenaufgang hinein...

Sonnenaufgang

Auf dem Rheindeich ist es weniger voll, als ich es erwartet habe. Ein massiver E-Bike-Fahrer pendelt direkt vor mich, als ich ihn gerade überholen will. Meine Grün-Weiße zeigt mir, dass sie das Hinterrad blockieren kann. Immerhin merkt der Depp, dass das Rumgeeiere nicht so pfiffig ist und fährt rechts. Wir ziehen an ihm vorbei und ich schiele immer wieder auf die Kilometer. 170 sind es schon. Wenn ich vielleicht in über Budberg und durch die Felder Richtung den Drijver und dann am See vorbei….???

 

Ich verstehe nun, was Marathoni meinen, wenn sie von einem Rausch beim Laufen reden. Ich kann nicht mehr halten und gebe Gas, was das Zeug hält. Durch die Felder in Vierbaum nehme ich ein paar Runden und dann geht es ab durch’s Dorf. Ich muss noch eben am Haus vorbeifahren und noch einmal um den Pudding rum. Mit einem inneren Aufschrei nehme ich die 200er-Marke und bin überglücklich. Es hat zwar etwas länger gedauert als Mittwoch, aber ich habe noch einmal 2 km/h im Schnitt und 15 km Strecke oben drauf gelegt.

Ein kleiner Schritt für die Menschheit - ein großer Schritt für mich!

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